05 Dez

InlineCleaner – Open Source Hardware Filmreiniger

uebersicht

de

Ein Gastbeitrag von “Die Filmretter”:

Will man alte Filme archivieren oder gar digitalisieren, muss man sie fachgerecht reinigen. Die Film-Retter haben dafür ein Gerät entwickelt und mitsamt einer detaillierten Bauanleitung als Open Source Hardware veröffentlicht. Und so kam es dazu.

Die Freude ist grofl: Man findet alte Super-8-Filme auf dem Speicher oder im Keller! Dann der Schock: Viele Jahre haben Spuren in Form von Staub und Schmutz hinterlassen.

Filme mit dem Taschentuch reinigen besch‰digt den Film

Filme mit dem Taschentuch reinigen beschädigt den Film

Die meisten spulen den Film einmal hin und her und lassen ihn dabei durch ein Taschentuch laufen. Das tut dem Film nicht gut: Schmutz und Emulsionssplitter furchen Schleifspuren in den Film.

Die Film-Retter digitalisieren jeden Tag grofle Mengen an Super 8 Film. Profi-Geräte zur Filmreinigung liegen schnell über 10.000 Euro, auch eine Nassreinigung möchte kaum ein Kunde bezahlen. Also musste ein Gerät her, mit dem die Filme kostengünstig gereinigt werden können. “Dann bauen wir halt selbst eins”, dachten sich die Film-Retter. “Kann ja nicht so schwer sein.” Rückblickend eine etwas blauäugige Einschätzung, wie Inhaber Martin Schneider einräumt.

“Das Gerät sollte simpel aufgebaut sein und dadurch robust und zuverlässig”, erzählt er. Denn je weniger Teile es gibt, umso weniger können kaputt gehen. Insbesondere auf den Antrieb durch einen Motor sollte verzichtet werden: Der Film-Reiniger sollte alleine durch den Filmtransport des Projektors betrieben werden. Mittels eines einfachen Getriebes sollten sich die Walzen gegen die Laufrichtung des Films drehen und so den Schmutz vom Filmstreifen wegtransportieren.

Martin Schneider und Peter Elsen diskutieren die Konstruktion

Martin Schneider und Peter Elsen diskutieren die Konstruktion

Schnell wurde das CAD-Programm angeworfen und in einem Tag entstand der erste Entwurf. Schnell war klar: Die Fertigung musste im 3D-Druck geschehen, um die notwendige Präzision für das Getriebe zu erzielen. Auch ein professioneller Look war wichtig – man ist ja auch ein bisschen eitel. Die erste Schwachstelle: Die Lieferzeiten der 3D-Druck-Dienstleister. 14 Tage wartet man auf die Teile – das dauert zu lang. Da aber kein Budget für einen eigenen Drucker vorhanden war, hieß es also: Warten.

Dann der ersehnte Moment: Der Prototyp wurde zusammengebaut und – funktionierte nicht. Der Kunststoff hatte eine so hohe Reibung, dass der Film durch den Widerstand Riss. Die Lösung: Der Einbau von Flanschlagern. Neue Konstruktion, neuer Druck, zwei Wochen Wartezeit. Schon besser! Nun zeigte sich das nächste Problem: Die Walzen für den Filmtransport hatten einen zu geringen Durchmesser. Es griffen immer nur zwei oder drei Zähne in den Film, dadurch sprang dieser immer wieder über. Also neue Walzen konstruieren, drucken, zwei Wochen warten.

Die Montage des Prototyps

Die Montage des Prototyps

Die Kosten im 3D-Druck sind auch nicht ohne – so wurde auch die Konstruktion immer wieder unter Kostengesichtspunkten optimiert. Es zeigte sich: Je flacher das Bauteil, umso günstiger der Druck. Durch die Aufteilung einzelner Teile in mehrere Bauteile konnten die Kosten um bis zu 75% gesenkt werden.

Eine ausf¸hrliche Bauanleitung ist Teil des Projektes

Eine ausf¸hrliche Bauanleitung ist Teil des Projektes

Doch der Staub war hartnäckig: Durch die statische Aufladung der Filme wollte er sich nicht vom Film lösen lassen. Hier kommen Antistatik-Bürsten für die gute alte Vinyl-Schallplatte zum Einsatz. Der Staub löst sich und wird von einem handelsüblichen PC-Lüfter vom Film heruntergeblasen.

Ein kritisches Teil war die Antriebswalze mit Getriebe

Ein kritisches Teil war die Antriebswalze mit Getriebe

Endlich gab es einen funktionierenden Prototyp! Entsprechend stolz war das Team. Schnell kam die Frage auf, ob man den Film-Reiniger, den die Film-Retter inzwischen auf den Namen “InlineCleaner” getauft hatten, nicht verkaufen wolle. Aber nein, “Keen Zick für Blödsinn” sagt der Kölner. Die Film-Retter wollten sich lieber auf das Kern-Geschäft Super 8 Digitalisieren fokussieren.

Ein Team-Mitglied schlug vor, ob denn nicht Open Source Hardware ein Weg für eine Veröffentlichung wäre. Google wurde bemüht, und tatsächlich: Man veröffentlicht die Baupläne und gibt sie zur Weiterentwicklung frei – so kann jeder, der sich mit dem Thema auskennt, Ideen beisteuern und diese umsetzen.

Natürlich war noch kein perfektes Produkt entstanden. Das ist aber auch nicht notwendig: Die Community kann den InlineCleaner weiterentwickeln und so kann das Gerät wachsen und gedeihen. Die Bauanleitung findet man unter https://www.super-8.com/film-reiniger.html

Also auf zu neuen Ufern – die Renaissance des Schmalfilms kann kommen!

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